WGMB-Marktbarometer 2025/26
Der deutsche Beratungsmarkt tritt auf der Stelle: Das Wachstum ist schwach, die Struktur im Umbruch
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Wie hat sich der Beratungsmarkt in Deutschland 2025 entwickelt?
Der deutsche Beratungsmarkt ist 2025 kaum noch gewachsen. Mit 51,4 Milliarden Euro lag das Marktvolumen lediglich um 2,8 Prozent über dem Vorjahr – deutlich weniger als in früheren Jahren und spürbar unter der Dynamik vieler internationaler Märkte. Nominal ergibt sich ein leichtes Plus, real – nach Abzug der Inflation – bleibt davon kaum Wachstum übrig. Der Befund ist eindeutig: Die Branche expandiert nicht mehr in der Breite, sondern verändert ihre Struktur. Oder zugespitzt: 2025 war kein Jahr mit mehr Beratung. Es war ein Jahr mit anderer Beratung.

Wie hat sich die Wachstumsdynamik der Beratung in den letzten 25 Jahren verändert?
Ein Blick auf die Jahre seit 2000 zeigt, dass das Wachstum der Beratungsbranche das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Deutschland – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – weit hinter sich gelassen hat. In den letzten 25 Jahren wurde das Wachstum der Branche nur durch große externe Schocks gebremst – 9/11, Finanzkrise und Corona. Nach dem Post-Corona-Boom normalisiert sich die Entwicklung sichtbar. Der Nachholeffekt ist jedoch weitgehend abgearbeitet, Unternehmen investieren in Anbetracht der konjunkturellen Herausforderungen selektiver.
Die Branche wächst weiter, aber etwas langsamer als im langfristigen Trend – und nur noch knapp oberhalb der Inflationsrate.

Welches ist das größte Segment des Beratungsmarktes?
Mit einem Anteil von 35,6 Prozent ist die Operations-Beratung das größte Einzelsegment des Beratungsmarktes. Es folgen die IT-Beratung mit 24,1 Prozent, die Transformationsberatung mit 20,4 Prozent sowie die Strategieberatung mit 13,5 Prozent. Die Personalberatung bildet mit 6,4 Prozent das kleinste Segment.
Der Markt ist damit klar real-gestaltend und technologieorientiert strukturiert: Mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens entfällt auf operations- und IT-nahe Beratungsleistungen.

Welche Themen sind die Wachstumstreiber der Beratung?
Anders als in vielen früheren Jahren lag der wichtigste Treiber 2025 nicht in den allgemeinen Investitionsprogrammen der Wirtschaft. Im Gegenteil: Schwache Konjunktur, steigende Insolvenzen, Kostenprogramme und zurückhaltende Budgets bremsten klassische Beratungsfelder. Besonders konzeptionell-planerische Projekte standen unter Druck – der Strategiebereich schrumpfte um 2,1 Prozent. Viele Unternehmen verschoben langfristige Initiativen zugunsten kurzfristiger Stabilisierung.
Am stärksten expandierte die Transformationsberatung mit einem Plus von 8,8 Prozent. Programm- und Projektmanagement, Umsetzungsbegleitung und insbesondere Restrukturierung gewannen deutlich an Gewicht. Allein Sanierungs- und Restrukturierungsprojekte wuchsen um über 20 Prozent – ein Spiegel der wirtschaftlichen Lage vieler Industrieunternehmen. Entsprechend rückten operative Eingriffe und Krisenbewältigung stärker in den Fokus.
Auch die IT-Beratung entwickelte sich mit einem Plus von 6 Prozent überdurchschnittlich. Getrieben wurde sie weniger durch klassische Systemeinführungen als durch Governance-, Sicherheits- und Architekturthemen. Cybersecurity legte zweistellig zu, während Anwendungen und Plattformprojekte nur moderat wuchsen. Unternehmen investierten selektiv – vor allem dort, wo regulatorische Anforderungen, Risiken oder Effizienzgewinne unmittelbar sichtbar waren, aber auch aus strategischer Vorsicht, um bei Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz nicht den Anschluss zu verlieren.
Stabil, aber kaum dynamisch blieb das größte Segment der Branche: Die Operations-Beratung wuchs nur um 0,7 Prozent. Effizienzprogramme, Initiativen zur Stärkung der Supply-Chain-Resilienz und produktionsnahe Projekte hielten die Nachfrage aufrecht, konnten jedoch die Zurückhaltung bei Marketing-, Vertriebs- und Organisationsprojekten nicht vollständig kompensieren.

Wie wird sich die Beratungsbranche in Zukunft verändern?
Viele zentrale Fragestellungen lassen sich heute nicht mehr konzeptionell beantworten, sondern verlangen Umsetzungskompetenz. Künstliche Intelligenz erfordert Daten, Infrastruktur und Betrieb; Cybersecurity dauerhaft angelegte Services; Transformation erfordert Implementierung; Resilienz braucht operative Eingriffe in Prozesse und Lieferketten; Plattformstrategien brauchen Integration und Systembetrieb.
Damit ändern sich die Leistungsanforderungen an Beratung grundlegend. Strategische, technologische und organisationale Expertise greifen ineinander, und die Grenzen zwischen Management-, IT- und Personalberatung verlieren an Trennschärfe.
Parallel erweitern viele Anbieter ihr Portfolio über klassische Beratung hinaus – etwa um Implementierung, Systemintegration oder Managed Services. Der Markt verschiebt sich damit strukturell von „reiner Beratung“ hin zu integrierten Leistungsmodellen aus Strategie, Umsetzung und Betrieb. Beratung entfernt sich damit vom klassischen Projektgeschäft. Immer häufiger stehen messbare Resultate im Mittelpunkt; Vergütung und Leistungslogik orientieren sich stärker an klar definierten Wirkungszielen. Gleichzeitig rücken Delivery und Betrieb näher an die Beratung heran: Implementierung, Plattformaufbau und langfristige Transformationsprogramme werden zum festen Bestandteil langfristiger Kundenbeziehungen.

Welche Branchen sind die größten Beratungskunden?
Ein Großteil der Beratungsnachfrage konzentriert sich auf wenige Branchen.
Die produzierende Industrie bleibt trotz konjunktureller Abkühlung mit 29,1 Prozent Marktanteil der größte Abnehmer von Beratungsleistungen, gefolgt von Finanzdienstleistern (21,4 Prozent) und der öffentlichen Hand (9,5 Prozent). Weitere Branchen wie Gesundheitswesen, Einzelhandel, Telekommunikation, IT, Medien sowie Versorgungs- und Transportsektoren machen zusammen 40,0 Prozent aus.

Wie entwickelt sich die Beratungsnachfrage in einzelnen Sektoren?
Die Entwicklung der Beratungsnachfrage zeigte 2025 ein klares Muster: Wachstum entstand vor allem in Branchen, in denen regulatorische Vorgaben, Investitionsdruck oder staatliche Programme unmittelbaren Handlungsbedarf auslösten. Die produzierende Industrie blieb zwar wichtigster Nachfrager, wuchs insgesamt jedoch nur verhalten. Während Automotive und Prozessindustrien leicht zulegten, blieb der Maschinen- und Anlagenbau schwach.
Stabiler entwickelte sich die Nachfrage in staatlichen und regulierten Bereichen. Öffentliche Auftraggeber, Finanzdienstleister, Versorger und Einrichtungen des Gesundheitswesens bauten ihre Beratungsaktivitäten aus.
Lesen Sie die Details zu den einzelnen Sektoren in den folgenden Abschnitten.
Bitte zitieren Sie diese Seite wie folgt:
Wissenschaftliche Gesellschaft für Management und Beratung (2026): Marktbarometer 2025/26. URL: https://wgmb.org/marktbarometer-25-26/
Worum geht es im WGMB-Marktbarometer?
Das WGMB-Marktbarometer analysiert die Entwicklung des Beratungsmarkts in Deutschland 2025/26 und identifiziert zentrale Nachfragefelder, strukturelle Veränderungen und strategische Herausforderungen für Unternehmen.







Der Einzelhandel stand 2025 weiter unter hohem Wettbewerbs- und Kostendruck. Konsumzurückhaltung, steigende Betriebskosten und ein intensiver Preiswettbewerb prägten das Umfeld vieler Anbieter. Der Beratungsbedarf entwickelte sich moderat und wurde vor allem durch Effizienz-, Vertriebs- und Transformationsprojekte getragen.




